Ich sehe...

Ich sehe…



mich mit offenen Augen um und traue ihnen kaum. 
Ich sehe Menschen, die sich gegenseitig wie in blindem Wahn

bekämpfen, beleidigen und das Leben schwer Machen.

Ich sehe Menschen, die sich andere zum Feind erklären,

bloß weil diese eine andere Sicht auf Dinge haben.

Ich sehe, wie verwirrt sie sind, und nicht wissen, was sie tun sollen, 
völlig verzweifelt und mitunter am Ende ihrer Kräfte. 
Ich sehe Menschen, die ihr Leben lang darauf konditioniert wurden,

ohne die Hilfe anderer nicht lebensfähig zu sein,

und in diesem Trugschluss ihr Leben völlig Fremden anderen vollständig anvertrauen,

in der Hoffnung, dass die wissen, was zu tun ist. 
Andere glauben es besser zu wissen, und vertrauen entweder

anderen Führern oder einfach sich Selbst.

Aber so ziemlich alle davon halten ihre Perspektive

für die einzig wahre Realität, und so sehen sie nicht,

dass jeder in seiner ganz eigenen Realität gefangen ist.

So ziemlich alle sind damit beschäftigt,

anderen ihre Perspektive aufzuzwingen wie Großinquisitöre.

Recht zu behalten ist für die meisten Menschen das Wichtigste überhaupt.

Kaum einer lebt einfach sein Leben,

ohne andere mit seinen Befindlichkeiten zu belasten.


Ich sehe Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, 
ihr eigenes Leben zu leben. 
Ständig kehren sie vor den Türen anderer,

erwarten von ihnen irgendwelche Änderungen, 
ohne bereit zu sein, an sich selbst auch etwas zu ändern. 
Ich sehe, welche Konsequenzen sich daraus ergeben: 
Streitigkeiten, Stress, Krankheiten und Unmut,

Kriege, Armut, Feindseligkeit, himmelschreiendes Unrecht

und so viel anderes.

Und ich sehe, wie alle darunter leiden. 
Gefangen in einem Teufelskreis aus Täuschung und

daraus resultierendem Selbstbetrug.


Ich sehe, wie die Menschen den ganzen Planeten in eine einzige Müllhalde verwandeln,

allein um in der Lage zu sein, ihre nächste Monatsmiete zahlen zu können. 
Die nächste Monatsmiete zahlen zu können ist für so ziemlich alle

auch der Hauptgrund für alles andere, das sie sich antun.

Die Monatsmiete und ihre monatlichen Fixkosten.

Ohne zu sehen, dass sie alles, was sie anderen antun, sich selbst antun. 
Weil sie nicht sehen, dass sie alle zusammen auf dem Planeten sitzen,

den sie zerstören,

und dass jeder Tropfen Öl, jedes Gramm Mineral oder Metall,

das diesem Planeten entzogen wird

und über kurz oder lang auf einer Müllhalde landet,

auf Kosten eines Jeden geht, der darauf herumläuft.

Weil sie nicht sehen, dass sie alle miteinander verbunden

und aufeinander angewiesen sind.

Dass sie sich das Leben täglich gegenseitig zur Hölle machen,

weil sie statt miteinander immer gegeneinander arbeiten.

In permanenter Konkurrenz - und unter permanentem Druck,

die nächste Monatsmiete zu bezahlen.

Und es im täglichen Bestreben, ihr Bestes zu geben

einfach nicht mitbekommen.


Ich sehe Menschen, die einfach die nötige Ruhe nicht mehr finden,

sich dieser Dinge bewusst zu werden.

Weil sie sich permanent von allem möglichen „Ach so Wichtigem“ ablenken lassen.

Ich sehe Menschen, die so viel Macht über andere haben,

dass sie in der Lage sind, sie Tag für Tag beschäftigt zu halten. 
Abgelenkt zu halten, damit sie nicht mitbekommen,

dass sie sie täglich ihrer Kraft berauben und kontrollieren wie Roboter.

Ich sehe Menschen, viele Menschen, die davon nichts wahrhaben wollen, und ich sehe,

wie all das allein deswegen überhaupt möglich ist.

Wie nichts davon passieren könnte, wenn die Menschen ein wenig weniger

anmaßend und rechthaberisch wären,

dafür ein wenig mehr besonnen und selbstbeherrscht.

Mit nur einem kleinen Bisschen Abstand von alledem

lässt sich so vieles davon erkennen und sehen.

Aber dieser Abstand ist so gut wie unmöglich zu erreichen,

solange man dieses Opfer-Täter-Spiel mitspielt

und ein Leben lebt, das weniger lebenswert kaum sein könnte.

Nur deswegen häufen sie immer mehr Zeug um sich herum,

in der Hoffnung, die Leere in ihnen kompensieren zu können.


Ich sehe Menschen, deren Leben so vollgetopft ist mit Zeug und wichtigen Dingen,

dass sie sich selbst darunter überhaupt gar nicht mehr wiederfinden.

Und am Ende dieses Lebens müssen sie dann doch alles davon zurücklassen. 
Und finden sich dann als die leere Hülle wieder, die nie wirklich gelebt hat.

Sondern nur funktioniert. Wie ein Roboter.

Programmiert durch Gehorsam und konditioniert durch Schulen, Medien und Sitten.

Sich sehe diese Menschen in all ihren unterschiedlichen Lagern sitzen,

in permanenter Bereitschaft, angegriffen zu werden und

zähnefletschend und krallenwetzend aufzuspringen, um sich zu verteidigen.

Ich sehe sie nervös und angespannt bis zum Letzten auch dann so reagieren,

wenn eigentlich gar keine Gefahr im Verzug ist,

und ein Verteidigungsschlag stattfindet, ohne dass es einen Angriff gab.

Ich sehe, wie auch das noch schamlos ausgenutzt wird von den Mächtigen,

um alle in noch mehr Angst voreinander zu versetzen,

indem sie Angriffe vortäuschen, um Kriege anzuzetteln. 
Denn Krieg ist ein Geschäft, aber das ist den meisten Menschen nicht bewusst.

Genauso wenig bewusst, wie dass die meisten von ihnen

diese Kriege täglich durch ihre Arbeit und das Leisten von Steuerzahlungen

mitfinanzieren und überhaupt erst möglich machen.

Genauso wenig bewusst, dass auch Gesundheit zum Geschäft verkommen ist,

und wie (für sie) unvorstellbar groß die Gier und Skrupellosigkeit anderer sein kann.

Und so leben sie In Abhängigkeit von ihren Feinden, die sie selbst gewählt haben.

Wie gesagt, sie sind alle miteinander verbunden,

aber da sie das nicht sehen, können sie auch den Rest nicht sehen. 
Deswegen laufen sie blind ins eigene Verderben,

und man kann es ihnen einfach nicht verübeln. 
Denn sie wissen es nicht besser.


Ich schließe meine Augen.


Und sehe etwas völlig anderes.

Ich sehe Menschen, die verstanden haben,

was in der mit offenen Augen zu sehenden Welt falsch läuft

und den Planeten nun völlig anders beleben. 
Ich sehe Menschen, die von Herzen lachen, und nicht, um Sympathien zu erhaschen.

Ich sehe Menschen, die ihr eigenes Leben leben, 
andere das ihre Leben leben lassen und sich ebenseitig dabei helfen.

Ich sehe Menschen, die verstanden haben, dass NIEMAND besser weiss,

was gut für sie ist als sie Selbst.

Die gelernt haben, sich wieder Selbst zu vertrauen und

die Verantwortung für ihr Leben wieder selbst übernommen haben.

Ich sehe, dass die Politiker verschwunden sind,

weil Politik jetzt von allen beteiligten betrieben wird.

Von denen alle genau so viel wert sind, wie alle anderen auch. 
Und das nicht, weil ein Gesetz das so sagt, sondern

weil sie selbst es verstanden haben.

Ich sehe, dass die Großkonzerne verschwunden sind, 
und dennoch nichts fehlt.

Ich sehe Menschen, die sich versammeln, wenn Probleme entstehen, 
um sie zu erörtern, ihre Gründe zu finden und

die sich daraus ergebenden Lösungen umzusetzen. 
Zwanglos und frei, dafür mit vollem Einsatz.

Und sehr effektiv.

Ich sehe, wie wenige Probleme es überhaupt noch gibt,

weil das Hauptproblem gelöst wurde: 
Der Gehorsam fremden Autoritäten gegenüber.


Ich sehe Menschen, die nicht ums überleben kämpfen müssen,

sondern ein lebenswertes Leben genießen,

das sie selbst und völlig bewusst selbst dirigieren.

Menschen, die sich damit beschäftigen,

ihre Talente zu finden und sich in ihnen zu üben.

Eine Welt voller Wunderkinder, die sich frei entfalten können und dürfen, 
und in einer Symbiose miteinander Dinge vollbringen,

die ich von hier aus nicht beschreiben kann. 
Wir würden sie wohl als Wunder beschreiben,

doch für sie ist es einfach das was sie tun.

Nur eben plus all das, was von den anderen dazu kommt.

All das, was vorher überall fehlte, und nur da zusammenkam,

wo Geld es Möglich machte.


Ich sehe Menschen, die zurechtkommen ohne Geld zu haben. 
Weil es in dieser Welt überhaupt kein Geld mehr braucht.

Es gibt noch persönlichen Besitz, durchaus, 
aber die Menschen hier nutzen dennoch fast das meiste gemeinsam. 
Ich sehe Menschen, die gelernt haben, für sich selbst zu sorgen,

in kleinen Dörfer leben, die sich selbst versorgen,

verbunden mit all den anderen kleinen Dörfern, die das auch tun.

Dazwischen größere Städte, die aber hier Orte der Begegnung sind, 
Orte des Austauschs, des geldlosen Handels und des Feierns.

Jeder Bedarf kann völlig unkompliziert gedeckt werden,

weil einfach alle alles teilen, was man teilen kann.

Ich sehe Menschen, die auf diese Weise auf nichts mehr verzichten brauchen. 
Und das, ohne dass dafür irgend jemand anderes auf etwas verzichten müsste.


Ich sehe Menschen respektvoll und in Liebe,

vor allem aber auf Augenhöhe miteinander alles mögliche tun.

Menschen, die die Hierachien hinter sich gelassen haben.

Weder sehe ich jemand zu jemand anderem hinauf- oder herabschauen.

Und statt der Rechthaberei zu frönen und sich ihre Sichtweisen um die Ohren zu hauen

bereichern sich sich ebenseitig an denselben.

Und genau deswegen ich sehe immer wieder viele staunende Blicke,

die sich an dem erfreuen, was sie umgibt.

Ich sehe Menschen, die wie eine Familie den Planeten beleben,

eben die Menschheitsfamilie. 
Eine weltumspannende Kultur, die miteinander im Frieden lebt und handelt. 
Im Einklang mit allem anderen, was uns alle zur Biosphäre

des Planeten werden lässt.

Mit allem, was da kreucht und fleucht,

bellt, maunzt, gackert, muht, grunzt, wiehert und kikerikiet.

Ich sehe, wie sie mit Freude, aber entspannt und ohne Druck

alle möglichen Arbeiten erledigen. 
Ich sehe wie diese Arbeiten alles genau so verändern wie es immer schon war,

nur in eine andere Richtung. 
Hier wird alles immer schöner! 
Ich sehe Menschen, die abends um Lagerfeuer sitzend den Tag ausklingen lassen

und zufrieden mit sich und ihrem Tagwerk

völlig sorgenfrei schlafen gehen.


Ich öffne meine Augen.


Und sehe Dich. Und mich in dir.

Meine Schwester, meinen Bruder,

egal, wer du vorher für mich warst.

Egal was ich je von dir gedacht habe oder noch denken werde,

du bist ein Teil von mir und damit ein Teil dieser Welt.

Ich bin diese Welt, ich bin das, was wir alle aus mir machen. 
Du, ich, und alle anderen.

Ich sehe den Schmerz in deinen Augen, die Leere darin und die Tränen. 
Ich sehe, wie dein Lachen versucht, das zu verstecken.

Ich sehe die Hilflosigkeit, aber auch die Hoffnung. 
Ich sehe unsere Möglichkeiten, und was wir daraus machen können. 
Ich sehe wie wir alle jeden einzelnen Tag vor der Wahl stehen,

was genau wir unsere Hände und unseren Mund hervorbringen lassen.

Ich sehe, wie viele Optionen existieren, von denen die meisten von uns

der ganzen Ablenkung wegen überhaupt gar nichts wissen.

Und ich sehe Möglichkeiten, wie diesen Text zum Beispiel,

uns alle ebenseitig daran zu erinnern und die Einladung auszusprechen,

sich dafür zu interessieren und damit zu beschäftigen.

Ich sehe Dich und stelle dir die Frage: 
 „Und was machen wir jetzt“?



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